Geschlecht, Generationen und Gleichstellung in der Schweizer Landwirtschaft (AgriGenre) 

Die Wirtschaftspolitik hat die Landwirtschaft tiefgreifend verändert. Im Mittelpunkt dieses Projekts stehen die Veränderungen im Verhältnis der Geschlechter und der Generationen und die Faktoren, welche die Entstehung neuer, egalitärerer Familienformen begünstigen. Die Ergebnisse werden mit
Untersuchungen über andere kleine Familienbetriebe verglichen.

Hintergrund
Im Verlauf der letzten drei Jahrzehnte haben Umwälzungen im politischen und ökonomischen Umfeld der schweizerischen Landwirtschaft die Produktionsbedingungen der Bauernbetriebe stark verändert. Landwirtschaftspolitik und gesetzliche Bestimmungen haben sich auf Frauen und Männer wie auch auf die Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit unterschiedlich ausgewirkt.Die Produktions- und die Reproduktionssphäre, in denen Frauen und Männer wie auch die verschiedenen Generationen je spezifische Rollen einnehmen, sind im Landwirtschaftssektor ganz unterschiedlich organisiert.

Ziel
Die Forschungsgruppe arbeitet auf drei Ebenen:
Zunächst untersucht sie die staatliche Landwirtschaftspolitik und die entsprechenden gesetzlichen Bestimmungen in den letzten drei Jahrzehnten darauf, ob sie die Chancengleichheit von Mann und Frau berücksichtigt und inwiefern sich dies bei der Zuteilung öffentlicher Gelder zeigt. Die Forschenden gehen der Frage nach, ob und wie sich Bestimmungen bezüglich Erbrecht, Kriterien für die Gewährung von Direktzahlungen, Möglichkeiten zur Teilnahme an Umschulungskursen usw. auf Frauen und Männer unterschiedlich auswirken.
Auf einer zweiten Ebene analysieren die Forschenden Landwirtschaftsbetriebe und deren Art, wie sie den Produktions- und Reproduktionsbereich organisieren. Sie fragen dabei nach der Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern und den Generationen und arbeiten die besonderen Merkmale des Wandels der Geschlechterrollen heraus. Gleichzeitig werden die Weiblichkeits- und Männlichkeitskonzepte und ihre unterschiedliche Ausgestaltung erfasst.
Auf der dritten Ebene untersuchen die Forscherinnen und Forscher, welche unterschiedlichen Lebensformen und sozialen Praktiken in einer Landwirtschaft im Umbruch auszumachen sind. Sie stellen fest, welche Faktoren die Entstehung neuer, vielleicht egalitärerer Beziehungen zwischen den Geschlechtern und den Generationen begünstigen.

Bedeutung
Die Forschenden möchten einerseits die Geschlechterforschung nachhaltig in die Landwirtschaftsforschung integrieren; auf der andern Seite ist die Analyse verschiedener Formen des Zusammenlebens von Geschlechtern und Generationen auch auf andere Bereiche der Schweizer Gesellschaft übertragbar und stellt neue Instrumente für die staatliche Gleichstellungspolitik bereit. Sie liefert Erkenntnisse über die Rolle staatlicher Massnahmen bei der Umgestaltung des Geschlechterverhältnisses und bei der Entstehung neuer Formen des Zusammenlebens der Geschlechter und der Generationen.

Originaltitel: Genre, générations et égalité en agriculture: transformations des configurations familiales et des représentations de la masculinité et de la féminité

Betrag: CHF 258’036.-
Dauer: 36 Monate


Projektverantwortliche
- Dr. Yvan Droz, Institut de hautes études internationales et du développement (IHEID), Genf
- Dr. Fenneke Reysoo, Institut de hautes études internationales et du développement (IHEID), Genf
- Valérie Miéville-Ott, Association suisse pour le développement de l'agriculture et de l'espace rural (AGRIDEA), Lausanne
- Ruth Rossier, Forschungsanstalt Agroscope, Reckenholz-Tänikon
- Nadine Boucherin, Institut de Hautes Études Internationales et du Développement (IHEID)
- Federica Manfredi, Développement de l’Agriculture et l’Espace Rurale (AGRIDEA)

Kontakt

Dr. Yvan Droz
Institut de hautes études internationales et du développement (IHEID)
Rue Rothschild 20
1211 Genf 21
Tel.: +41 22 908 45 11
E-Mail: yvan.droz@graduateinstitute.ch 
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